Nameless Day Ritual: „Birth“

Was die Bulgaren Nameless Day Ritual mit ihrem Debut vom Leder reißen erweckt wahrlich nicht den Eindruck eines Erstlings. Mir persönlich schmeckt bei der Beschreibung irgendwie das „Alternative“ nicht so ganz, das erfaßt den Sound nicht so ganz. Stolz, erhaben und vor Selbstbewußtsein anscheinend strotzend prallen hier getragene, entrückte Vocals-Melodien auf saftige Growls, majestätisch-epische Stimmung auf weiträumige Düsternis und eine Menge Energie. Was die Lady am Mirko, Asya Nameless DayKatravdzhenieva abliefert, ist schon beeindruckend.

Gibt es von der Sorte „female Vocals à la Arch Enemy“ mittlerweile echt genug, findet sich hier zu den beherzten, bitterbösen eben auch klarer, richtiggehend zarter Gesang. Bei „Chiming Through“ möchte man gar ein wenig an Rya und Björk denken – nur ohne weniger schräge Einsprengsel. Der Heavy-Sound von Nameless Day Ritual scheut sich ebenso wenig davor, vertrackte und unerwartete Breaks aufzufahren, mit enormer Intensivierung und gleichzeitig sphärischer Entfernung zu arbeiten.

Irgendwie ist man in den Songs als Hörer und doch scheint irgendwie ein schwarzes Loch alles zu überragen. Stimmung schaffen ist also eines der großen Talente der Band. Das Material folgt selten einem straffen Schema, auch akustisches Gezupfe, punktuierte Details, in den Hintergrund gemischte Nuancen bestimmen an manchen Stellen den Ton („Birth“), verkehren Episch-Zartes in druckvolle Kompromißlosigkeit. Lasziv und weich in einem Moment und ein brachialer Schlag in die Fresse im anderen. Nameless Day Ritual machen definitiv ein neues Faß düsteren und tiefschürfenden Metals auf, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Wer weiß, vielleicht bekommen wir ja eine weibliche Variante von King Diamond in Sachen Wandlungsfähigkeit und Intensität. EV

Tracklist:

Far Out
Birth
I
Nevermind
Chiming Through
The Long Run

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