Ein Kommentar zu Joschka und der Visa-Card – lang ist´s her

Einfach so…

… da sitzt ma den ganzen Tag rum – oder auch nicht – wurschtelt am Computer donnie– oder auch nicht. Aber egal, was ma macht, es geht einem allerlei Blödsinn und vielleicht auch weniger Blödsinn durch die Gehirnwindungen. So stell ich mir zum Beispiel ab und an Fragen wie: Ist die heutige Popszene nicht die Verkörperung des Grundgesetzes schlechthin? Jeder darf Musik machen, Platten aufnehmen und wird im Radio und Fernsehen gespielt, egal ob er oder sie singen kann oder nicht. Jeder Mensch ist gleich. Stimmt doch, oder?

Oder: Haben wir Menschen heute eine arg zu idealisierte Ansicht über das Perpetuum Mobile als Ergebnis von Ursache und Wirkung? Am besten, ich mach gar nicht (= die Ursache), aber ich krieg/ hab alles ( = Wirkung). Oder Thema Toleranz: Die ist schön und gut, solange sie nur bedeutet, daß ich selbst alles machen, sagen, denken und sonstwas kann, was ich will. Wahre Toleranz heißt, daß jeder alles toleriert, was ich auch toleriere. Alles, was ich sonst nicht versteh, hat nicht toleriert zu werden. Es darf sonstwo existieren, aber nicht in meiner Umgebung – das muß an Toleranz reichen. Und außerdem scheinen neunzig Prozent der Menschheit, wenn nicht mehr, den Status Quo erreicht zu haben. Welchen Status? Den, den ich wie folgt definiere: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Sei ma doch a mal ehrlich: Es sind nicht nur die Politiker, also die Berufsnichtstuer, die machen, was sie wollen. Und scheiß drauf, ob uns die „Oberen“ der Gesellschaft das vorgemacht haben oder nicht: Wir führen uns alle ständig auf wie der Rotz am Ärmel. Hier und da ein Gezicke vor dem Herrn, über dieses wird gemosert, sich über jenes beklagt – und wirklich wichtige oder gar interessante Gesprächsthemen haben die meisten aus Wissensmangel und chronischem Desinteresse an allem, was nicht „Ich“ heißt leider auch. Punkt Arbeitsmarkt: So Unrecht manche unserer Politiker haben, so sehr haben manche mit einem Satz auch recht: Mit Jammern ist es nicht getan.

Auch nicht damit, die Wirtschaft aus Angst, die letzten Kröten am Ende des Monats auch noch auszugeben, noch mehr in Schwierigkeiten zu bringen. Erstens: Die Situation ist beschissen bis mehr. Gut. Je mehr man sich allerdings reinsteigert und den elenden Sparkurs von oben auch noch mitfährt, umso mehr spielen wir der Verarmung in die Flossen. Oder meint jemand, ein Chef würde neue Arbeitsplätze schaffen, wenn man sich in eben jenem Geschäft nichts mehr kauft, weil man ja für schlechte Zeiten sparen muß? Da fliegen dann doch wohl eher noch mehr Leute, wenn die Umsätze sinken. Ja fein, man kann diese Themen und die eigene Verantwortung, die wir für die Wirtschaft haben, auch gern gegen die Krankenkassen, die seit diesem Jahr wieder sackweise Kohle machen, doch die Beiträge nicht senken, oder jemanden wie die Häupter der Deutschen Bank abwägen, die grad nur Bockmist bauen. Ein Plus ist überirdischer Höhe, aber Leute werden rausgeworfen. Schön, und von ein paar solchen Nasenbohrern wollen wir uns den Spaß am Leben und die Lust am Geld ausgeben versauen lassen? Schlechte Zeiten – gemessen an dem, was wir mal hatten – haben wir schon.

Oder sich die Lust am Leben verderben lassen von einem Bundeskanzler der ruhigen Hand (spinnt man den Gedanken weiter, wundert es nicht, daß er ein Kind adoptieren mußte…)? An dieser Stelle übrigens, Gerdi: Supa gmacht. Ganz klasse. Schon scheiße, wenn sich manche Leute die Werbekarte von damals (siehe Bildchen) doch aufgehoben haben. Ich wüßte da acht gute Gründe, die SPD nicht mehr zu wählen: s-c-h-r-ö-d-e-r. Und dann kommen wir erstmal zu den wirklich wichtigen anderen hundert Punkten. Glaubt Ihr, der gibt endlich Ruhe, wenn wir ihm einen Oscar und das Bundesverdienstkreuz geben? Das hat seit der Möchtgern-Nominierung von Dieter Bohlen eh seinen Glanz gänzlich verloren, also eh wurscht. Politiker sein ist schon eine Krux. Man hat die Chance, in die Geschichtsbücher einzugehen. Oder nur einzugehen.

Sei jedem selbst überlassen, was er oder sie denke, in welche Richtung Schröder tendiert. Aber lassen wir das, irgendwann frißt jeder, der höher kackt, als ihm der Popo hängt, seine eigene Scheiße – und nachdem der gemeine Normal-Bürger weiß, was wirklich wichtig ist im eigenen Leben und dem derjenigen, die einem was bedeuten, kann man das alles abwarten. Weil schlicht und ergreifend unwichtig. Fischer und die Visa-Affäre (O-ton Heinz: Daß den VISA noch nicht verklagt hat…). Ja mei, ist doch schön. So viele Visa, wie der auf dem Buckel hat, kriegt er doch, bevor wir für ihn auch noch Rente zahlen müssen, lebenslangen Aufenthalt in jedem anderen Land dieses Erdballs. Und nachdem Onkel Gerdi Deutschland – natürlich nicht ohne Hilfe anderer – äh – zumindest nicht wirtschaftlich hoch gebracht hat, fallen dem Joschi bestimmt auch viele Gründe ein, dann auszuwandern.

Insofern hat uns Joschka Fischer einen Gefallen getan: Er hat sich mit der VISA-Vergabe bei vielen Menschen so beliebt gemacht, daß sie ihn bestimmt dort später mit Kußhand aufnehmen. Muß man alles von der positiven Seite sehen. Die Ölpreise steigen? Ja freuen wir uns doch, daß wir überhaupt noch etwas von diesem edlem Rohstoff abbekommen haben und die Grünen den wahren Wert dieses Schatzes erkannt haben. Wär der Krempel wertlos, gäbe es nicht noch eine horrende Ökosteuer obendrauf. Ergo – freuen wir uns, daß wir so wiffe Köpfe im Lande haben und als Politiker Unser nennen dürfen. Ihr lacht?! Hey, Ihr seht das alles doch nur von der falschen Seite. Ich für meinen Teil sehe das wie der Psychopath aus „The Cell“: Es ist nicht real *zwitscher*.

Real ist, was man sich selber besorgen kann, was im hohen Alter, wie man seit der Werbung weiß, die langsamste Taube im Park ist. Und oh nein, wir wollen keine Spießer sein. Wir wollen kein Haus, von dem aus man die ganze Stadt sehen kann. Die ganzen Menschen, der ganze Smog und die Taubenscheiße… die verkniffenen Gesichter, das Gehetze auf der Straße, verbissene Autofahrer die sich gegenseitig schneiden und anmaulen, was das Zeug hält. Kiddies, die sich nur saudumm anblaffen – Menschen, die sich aufgrund unterschiedlicher Meinungen, Gesinnungen, Klamotten nicht an einen Tisch setzen können und einfach nur Menschen sein können. Denn einer ist immer besser, immer richtiger als der andere.

Nachdem wir an manchen Dingen im großen Stil nichts allein ändern können, bleibt nur, an sich selbst zu arbeiten, sich nicht fertig machen zu lassen, die Nase oben zu halten, sein Hirn und Herz zu benutzen – und sich in Gottes Namen endlich auf Dinge zu konzentrieren, die einen Kraftaufwand auch wert sind. Ein Zusammenhalten, ein Abend mit coolen Leuten, Offenheit, Gedankenaustausch – und keine Angst vor dem wirtschaftlichen Morgen. Ebenso wenig wie Angst vor dem, was man nicht kennt. Denn was sagt schon das Äußere? Was bringt einem ein punkig angehauchter Rebell, wenn er uns später mit der Ökosteuer und anderem Krimskrams in die Pfanne haut? Was bringt ein demokratischer Präsident, wenn jene Demokratie seine Diktatur für die ganze Welt ist? Was bringt ein Politiker, der an sein Land denkt, wenn er dabei nicht kapiert, daß es mehr gibt, als das, was innerhalb des eigenen Tellerrandes liegt oder dabei über Leichen geht? Was bringen stocksture Verfechter – egal welcher Ideologie – überhaupt, außer Ärger, wenn sie nicht in der Lage sind, sich selbst mal als das gleiche, nutzvolle oder –lose Zahnrädchen in einem Gefüge zu sehen, in dem es schon lange nicht mehr funktioniert, wenn jeder gegen jeden arbeitet, sondern man endlich kapieren muß, daß nur unterschiedliche Meinungen und Ideen einem schlußendlich zu wahren, ehrlichen und ansatzweise umfassenden Lösungen führen können? Das fängt am Kneipentisch an und zieht sich bis zur Globalisierung, die nur eine schlecht getarnte Ein-Mann-Weltmacht darstellen soll.

Nicht wir sind Teile von Meinungen und Taten – sie sind Teil von uns. Wir sind dafür verantwortlich, aber sie sind nicht alles, was jeden einzelnen von uns ausmacht. Wie oft stellt man sich die Frage, was man von Menschen wirklich weiß, die man vollkommen beurteilt? Was weiß die Omi von nebenan über den bösen, schwarzgekleideten Kerle in der Nachbarnwohnung? Was weiß der Lehrer über seinen aufmüpfigen Irokesen-Harrschnitt-Störenfried? Was weiß der Otto-Normal-Verbraucher über die aggressiv anmutende Kutte und die ‚wüsten’ Haare eines Metallers? Was weiß Bush über Bin Laden… okay, falscher Film. Kein gutes Argument. Was wissen wir schon, wie Leute, die sich hinter einem Klischee verstecken, wirklich sind? Nichs. Aber warum zum Geier sind wir alle zu feige, uns auch nur ein wenig damit auseinanderzusetzen? Warum schreien immer die nach Toleranz, die selbst am intolerantesten sind? Weil – wie eingangs erwähnt – doch immer nur an sich selbst gedacht wird und einem alles scheißwurscht ist, solange es einem selbst gut geht und man toleriert und akzeptiert wird? Man muß keine Meinungen tolerieren – aber hinsichtlich der evolutionären Entwicklung sollten wir geistig so weit sein, Menschen tolerieren zu können. Auch Politiker, die viel Mist basteln – irgendwann kriegen die ja auch ein Visa ;o)

Zumindest sollte einem der Versuch zur Kommunikation nicht zu anstrengend sein.

Hugh, ich habe gedacht – wer noch?

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