Edenbridge zum Zweitling „Arcana“

eden 2Nach dem furiosen Debut der Epic Metaller aus Österreich waren nicht wenige auf den Nachschlag gespannt. Mit *Arcana* hat es die Band um Gitarrist und Songwriter Lanvall nicht nur spielend geschafft, das Debut zu toppen, auch die Weiterentwicklung der band ist beachtlich.

Die Songs für den Erstling wurden bereits lang lang vor dem Release geschrieben, während ein Großteil der neuen Songs bereits zur Veröffentlichung der ersten Scheibe fertig war. „Der Rest der Stücke entstand nach der Tour mit Axxis und Pink Cream 69 im Januar diesen Jahres. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich keinen Druck verspürt, im Januar dann allerdings schon, da eben das Material für die neue Platte noch nicht unter Dach und Fach war. Ich möchte nicht zu lange brauchen, um einen neuen Output nachzuschieben und mittlerweile haben wir auch schon wieder ein paar neue Tracks.“

Sich selbst verheizen solle Lanvall allerdings nicht, wie er sagt:
„Es ist mir einfach ein inneres Bedürfnis, Songs zu schreiben. Bei mir dreht sich den ganzen Tag alles um Musik und außerdem muß sich selbst schon immer ein wenig Gas geben, da man sonst nie da hin kommt, wo man hinwill. Ich könnte keine drei, vier Releases im Jahr auf die Reihe bekommen, eine gute Scheibe pro Jahr ist eine feine Sache. Mehr kann doch schon aus kreativer Sicht schon gar nicht richtig klappen.“ Auch wenn der Gitarrist keinen Druck bezüglich der Arbeit am aktuellen Silberling hatte, war die Situation kurz vor dem Release doch nicht ganz so einfach. „Ich wußte nicht, wie die Leute reagieren würden.

Und das macht einen schon ein wenig nervös. Als dann im Endeffekt viele Bestätigungen und positive Reaktionen kamen und wir sahen, daß das neue Material ankommt, war es sehr befreiend. Zumal man dann auch merkt, daß man eigentlich in Zukunft wirklich seinem Gefühl vertrauen kann und den Nerv der Leute damit trifft. Hinsichtlich dessen bin ich mir so sicher, weil sich der Stil von Edenbridge nicht verändern wird. Weiterentwickeln und verbessern ja, aber nicht verändern.“

Gerade für eine Newcomerband ist es auch wichtig, am Ball zu bleiben, um nach der ersten Platte, besonders, wenn sie derart gut ankommt, wie Edenbridge´s Debut, nicht gleich wieder bei den Leuten in Vergessenheit zu geraten. „Das relativ schnelle Nachschieben der zweiten Scheibe ist wichtig, denn da haben die meisten den Namen der Band noch recht frisch im Gedächtnis. Wir haben uns auch bereits mit *Sunrise In Eden* einen guten und fixen Fankreis aufgebaut.“ Der auch gepflegt werden will. Eine Sache findet Lanvall allerdings nicht ganz so positiv. Oder sollte man lieber sagen, verständlicherweise unverständlich?
„In einem Internet-Magazin habe ich ein Review zu *Arcana* gefunden, in dem man uns als dreiste Nightwish-Kopie bezeichnet.

Muß ich nicht verstehen, oder? Aber ich denke, diese Vergleiche werden auch noch aufhören – die Leute hören eben melodischen Metal mit einer Frauenstimme, und hat die Sängerin dann nicht eine Reibeisenstimme, wird anscheinend sofort der Vergleich zu Nightwish gezogen“, schüttelt Lanvall den Kopf. Und dabei haben Edenbridge mit Nightwish wirklich null zu tun – außer der Wahl der Instrumente und guter, facettenreicher Musik auf hohem Standart. „Entweder man mag etwas oder nicht. Wobei ich finde, daß schon die entsprechenden Leute in einer Redaktion auch die CDs bekommen sollten, mit denen sich stilistisch etwas anfangen können. Wenn ich aber bei einem Journalisten unter seinen Favorites lauter Black- und Death Metal-Bands sehe und derjenige dann meinetwegen eine Melodic Rock-Platte rezensieren soll, frage ich mich schon, wo da der Sinn dahinter steckt.

Was gute Kritik betrifft, freue mich ich da immer total drüber, denn das ist nicht selbstverständlich. Zudem können die Medien ja auch nur etwas vorgeben, ob die Fans dem folgen und sich eine Cd wirklich anhören oder kaufen, steht wieder auf einem anderen Blatt.“ Manche journalistischen Ausrutscher hinsichtlich der angemerkten Vergleiche zu anderen Bands lassen sich aber auch auf einige deftige Griffe ins Klo seitens der Labels zurückführen. „Viele Redakteure haben einfach nicht die Zeit, sich alle Scheiben x-mal anzuhören und da nimmt man als Stütze schon mal das mitgelieferte Info zur Hand. Bei uns standen im Info Edguy und Nightwish als Vergleiche, was ich halt einfach nicht nachvollziehen kann. Ich finde Edguy echt klasse, aber was haben wir mit denen zu tun?!“ Aber das sind eben die Kleinigkeiten im Business, die einem auch mal ein Schmunzeln entlocken, denn unterm Strich zählt das Ergebnis, also wie eine CD von den Fans aufgenommen wird und „ob man selbst mit seiner Leistung zufrieden ist.

eden 1Für mich ist es sehr wichtig, mit den Songs selbst hundertprozentig zufrieden zu sein, vorher werden sie nicht aufgenommen. Ich halte nicht sehr viel davon, halbfertige Stücke aufzunehmen. Bei *Arcana* fiel auch ein Stück weg, weil es einfach nichts wurde. Wobei: Eigentlich kann man mit einem Album nie hundertprozentig zufrieden sein, dann wäre man am Endpunkt. In dieser Hinsicht sind wir schon eine progressive Band, im eigentliche Sinne.

Wir sehen nach vorne und wollen uns auch weiterentwickeln. Geschieht dies aber in zu großen Schritten, können manche Fans der Sache nicht mehr folgen, das sollte man als Künstler stets bedenken. Manche gehen zu kraß vor, andere treten nur auf der Stelle. Das Beste wäre meiner Meinung nach ein Mittelweg aus beidem. Ich selbst bin immer offen für neue Einflüsse. Dennoch kann man sich halt noch so anstrengen, irgendwer wird immer was zu meckern haben – und allein aus diesem Grund wird es nie die perfekte Platte geben. Man kann nicht den Geschmack von allen Menschen treffen.“

Die Endvorbereitungen zu *Arcana* fielen ja, möchte man meinen, ziemlich genau in die Zeit, als sich der ganze Schotter in den USA ereignete…. interessiert einen angesichts solcher Ereignisse Musik überhaupt noch, auch wenn man davon lebt? „Die Platte war zu diesem Zeitpunkt bereits fertig, insofern hat uns das in unserer Arbeit nicht betroffen. Und die Promotion startete erst danach. So gesehen waren wir also nicht betroffen. Persönlich dagegen sehr. Und ganz ehrlich: In dieser Woche zum 11.September hat mich die Musik absolut null interessiert. Gott sei Dank hat sich die Situation nach ein, zwei Wochen wieder ein wenig gefangen, der erste Schock war vorüber, auch wenn sicher eine Ungewißheit vorherrschte. Doch das Leben muß weitergehen. Und ganz ehrlich:

Wo liegt der Unterschied, wenn Menschen sterben, wo ist der Unterschied zwischen einer Flutkatastrophe, bei der zehntausende ums Leben kommen, und den Opfern von World Trade Center. Über ersteres macht sich keiner solche Sorgen oder kümmert sich sonderlich.“ Was wohl daran liegt, daß uns durch Menschenhand absichtlich verursachte Katatrophen immer noch mehr erschrecken, als Naturkatastrophen. Denn irrtümlicherweise sind wir uns meistens in unserem kleingeistigen Denken nur darüber bewußt, daß die Natur nicht zu kontrollieren ist. Die Menschen sind es noch viel weniger. EV

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.